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Quelle: Tagesspiegel

Die ZDF Politiksendung „Ich kann Kanzler“ hat gezeigt, dass auch die Jugend Deutschlands sehr wohl politisch denken kann! 2700 junge Menschen sind an den Start gegangen mit der Intension, für ihre politischen Ideale zu kämpfen. Der Mut, sich vor ein Millionenpublikum zu stellen, verdient Anerkennung.

Ich bin stolz, einer dieser Jugendlichen gewesen zu sein. Dass ich am Ende diese Sendung gewonnen habe, ist eher nebensächlich. Es ging nämlich in erster Linie nicht darum, dass ein Einzelner als "Vorzeigetalent" hochgehalten wird, sondern die Jugend als Ganzes zeigt was in ihr steckt. Wir sind die Zukunft dieser Republik und daher stellen wir auch Anspruch darauf diese mitzugestalten!

Seit Jahren wird in unserer Republik über Politikverdrossenheit - die oft mit Parteienverdrossenheit vertauscht wird - gemeckert, aber konkret wurde wenig und auf Bundesebene überhaupt nichts umgesetzt, dass diesem Missstand entgegenwirkt. Die Wahlbeteiligung ist seit Jahren rückläufig. Laut Shell-Jugendstudien bezeichnen sich mittlerweile nur noch knapp ein Drittel aller Jugendlichen überhaupt noch als politisch interessiert. In Gesprächen fällt immer häufiger der Satz „Politik geht mich nichts an“, oder auch „Die machen doch eh was sie wollen“.

Daher sollte auch die Politik sehr froh darüber sein, dass endlich jemand die Initiative ergriffen hat – nämlich das ZDF.

1. Was wird denn nennenswertes in unserer Republik getan, um Politikverdrossenheit aktiv zu bekämpfen?

2. Wann haben Jugendliche schon mal die Chance, ihre politischen Ambitionen vor breiter Masse vorzutragen?

3. In Hinblick auf den dramatischen Schwund an Mitgliedern in Parteien und die dramatische allgemeine Politikverdrossenheit unter Jugendlichen: Wer fördert denn noch politische Nachwuchstalente? Parteistrukturen sind oft verkrustet und somit für Jugendliche unattraktiv.

Man sollte nicht immer nur über die Zustände meckern, sondern auch zulassen, dass etwas getan wird. „Machen statt meckern“, mein Wahlspruch in der ZDF-Sendung, ist daher auch hier passend.

Es geht - auch in Hinblick auf die wieder gesunkene Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen - um nichts geringeres, als die Aufgabe, die nächste Generation unserer Republik für die Demokratie zu gewinnen. Denn unsere Demokratie ist nicht selbstverständlich, sondern historisch gesehen völlig außergewöhnlich. Demokratie ist kein Zustand, sondern immer ein Prozess. Daher ist es eine Kernaufgabe der Republik, der Jugend durch Partizipation an dieser Demokratie aktiv teilhaben zu lassen.